Mit der Kraft der Natur zum wissenschaftlichen Goldstandard

 

Der weltweit zunehmende Druck gegen den Einsatz von antibiotischen Leistungsförderern hat die Entwicklung von verschiedensten Futtermittelzusatzstoffen vorangetrieben – sowohl mit als auch ohne klar erwiesene Wirkungsweisen. Die Futtermittelindustrie setzt nun zunehmend auch auf phytogene Futtermittelzusatzstoffe, um Wachstum und Leistung der Tiere zu steigern. Aufgrund der steigenden Anzahl pflanzlicher Futterzusätze auf dem Markt wird es jedoch immer schwieriger, „Marketingprodukte" von effektiven Zusatzstoffen für eine optimierte Tierproduktion zu trennen.

 

Eine gewisse Unterscheidung ist jedoch erforderlich und die EU-Registrierung als zootechnischer Futtermittelzusatzstoff wird als wissenschaftlicher Goldstandard in der Industrie angesehen. Ein Interview mit dem Pionier im Bereich phytogener Zusatzstoffe, Delacon: CEO Markus Dedl, Dr. Jan Dirk van der Klis (Director Products & Innovation) und Dr. Antje Holthausen (Patents & Registration).

Delacon experts analyze raw material for zootechnical feed additives

© Delacon: Einblicke in zootechnische Futtermittelzusatzstoffe

 
 

Antibiotikaresistenzen, Verbot antibiotischer Leistungsförderer und „Antibiotika-freies" Fleisch werden weltweit diskutiert. Welche Rolle spielen dabei phytogene Futtermittelzusatzstoffe?

 

Dr. Jan Dirk van der Klis: Obwohl die Wirkungsmechanismen antibiotischer Leistungsförderer nie im Detail geklärt wurden, waren ihre Vorteile für das Wachstum der Tiere und Futtereffizienz weithin bekannt, auch wenn ihre Wirksamkeit auf die Leistungsparameter im Laufe der Zeit rückläufig war. Ironischerweise erleiden phytogene Futtermittelzusatzstoffe das entgegengesetzte Schicksal: Obwohl ihre unterschiedlichen Wirkungsweisen gut beschrieben sind, wurden ihre positiven Auswirkungen auf die Tierleistung oft in Frage gestellt. Diese anfängliche Skepsis nimmt jedoch ab, da immer mehr unabhängige Studien die positiven Effekte in der Tierproduktion deutlich aufzeigen. Sie werden als vielversprechende natürliche Wahl für die Antibiotika-freie Produktion gesehen.

 
 

In Ihrem neu erschienenen Unternehmensvideo erzählen Sie über das Vertrauen in die Kraft der Natur. Vertrauen bedeutet jedoch nicht unbedingt nachgewiesene Effekte?

 

Markus Dedl: Von Beginn an haben wir an das Potential der phytogenen Futtermittelzusatzstoffe und an unsere Mission geglaubt: Eine effizientere Tierernährung, bei der durch neue Kombinationen natürlicher Stoffe, die Tiergesundheit und die Lebensmittelsicherheit im Vordergrund stehen und Belastungen der Umwelt gleichzeitig minimiert werden. Der Glaube ist jedoch nicht genug. Jährlich haben wir zehn Prozent unseres Umsatzes in Grundlagen- und marktorientierte Forschung, sowie in die Entwicklung hoch-standardisierter Produkte mit messbaren Effekten investiert, und so eine wissenschaftlich fundierte Basis geschaffen. Es ist dieses Know-how, das unser Team dazu ermutigt, auf das gewaltige Potential der Natur zu vertrauen und die Kraft der Natur tagtäglich zu entdecken und zu nutzen.

 

Es stellt sich natürlich die Frage, wie man „Marketingprodukte" zuverlässig von effektiven Zusatzstoffen für eine optimierte Tierproduktion unterscheiden kann. Sie sprechen über den wissenschaftlichen Goldstandard?

Dr. Jan Dirk van der Klis: Pflanzliche Futtermittelzusatzstoffe werden aufgrund ihrer häufig wenig beschriebenen, komplexen Zusammensetzung, noch immer als eine „Black Box" angesehen. Es ist daher wichtig, die Forschung und Entwicklung, die hinter einem Produkt steht, zu kennen und zu bewerten. Phytogene Futtermittelzusatzstoffe, auf Basis komplexer pflanzlicher Inhaltsstoffe, zeigen ein breiteres Wirkungsspektrum als natur-identische Wirkstoffe. Dies liegt an den Synergieeffekten aller Inhaltsstoffe innerhalb der Pflanzen, die wir verwenden. Aussagekräftige wissenschaftliche Versuche, die wir sowohl im firmeneigenen Forschungszentrum, als auch gemeinsam mit unabhängigen Instituten und Kunden durchgeführt haben, sind der Beleg für unsere wissenschaftliche Expertise auf diesem Gebiet. Dieses Wissen ist entscheidend, um das Potential der Natur zu nutzen.

Dennoch ist es für Kunden fast unmöglich, den Überblick über die Vielfalt der Produkte auf dem Markt zu behalten und diese wissenschaftlich zu bewerten. Für Futtermittelzusatzstoffe gibt es zumindest einen sehr praktikablen Weg, um „Marketingprodukte" zuverlässig von sicheren und wirksamen Zusatzstoffen zu unterscheiden: Die EU-Zulassung als „zootechnischer Futtermittelzusatzstoff" umfasst den unabhängigen wissenschaftlichen Nachweis über die Wirksamkeit eines Produktes und gilt daher in der Industrie als wissenschaftlicher Goldstandard.

 

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Was bedeutet der Begriff „zootechnische Futtermittelzusatzstoffe" und was ist der Unterschied zu anderen Gruppen?

Dr. Antje Holthausen: In der Europäischen Union müssen alle phytogenen Futterzusätze das Zulassungsverfahren für Futtermittelzusatzstoffe durchlaufen, wenn mit einer leistungssteigernden Wirkung geworben wird. In Bezug auf Sicherheit sind die Registrieranforderungen für alle Zusatzstoffe obligatorisch. Der Unterscheidung liegt im Anwendungsbereich der Zusatzstoffe und spiegelt sich in den Futtermittelzusatzstoff-Kategorien wider. Nach Art. 6, EG 1831/2003 ist ein zootechnischer Zusatzstoff definiert als: " jeder Zusatzstoff, der verwendet wird, um die Leistung von Tieren oder die Umwelt positiv zu beeinflussen“.


Im Gegensatz zu den meisten pflanzlichen Futtermittelzusatzstoffen, die als sensorische Zusatzstoffe (Aromastoffe) registriert sind, hat Delacon beschlossen, für seine Hauptprodukte eine Zulassung in der Kategorie der zootechnischen Zusatzstoffe zu beantragen, sowohl für die leistungssteigernde als auch für eine verdaulichkeitsfördernde Wirkung. Die zootechnische Registrierung ist ausschließlich den Zusatzstoffen vorbehalten, die nachweislich positive Auswirkungen auf Leistungsparameter zeigen und ist somit ein Garant für die Qualität und eine konsistente Wirksamkeit des jeweiligen Produkts.

 

Was ist das Besondere an „zootechnischen Futtermittelzusatzstoffen" und warum ist diese Registrierung so wichtig für Delacon?

Markus Dedl: Das unabhängige, strenge Registrierungsverfahren für zootechnische Futtermittelzusatzstoffe in der Europäischen Union bestätigt nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wirksamkeit des zertifizierten Produktes und gilt in der Industrie als wissenschaftlicher Goldstandard. Das Verfahren beinhaltet eine gründliche wissenschaftliche Beurteilung und Bewertung durch die höchste europäische Prüfbehörde, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Obwohl die Bewertungssysteme zur Zulassung von Futtermittelzusatzstoffen regional unterschiedlich sind, ist der Registrierungsprozess der EU ein internationaler Standard, der weltweit anerkannt wird und eine Entscheidungshilfe für potenzielle Kunden und Partner bietet.


Wir waren das weltweit erste Unternehmen, das eine zootechnische EU-Registrierung für einen phytogenen Futtermittelzusatzstoff erhalten hat, der Pionier. Mit der Registrierung unserer Produkte liefern wir sowohl den Beweis für unseren Slogan „performing nature", sowie für unsere Position als Pionier und Weltmarktführer für zuverlässige und sichere phytogene Futtermittelzusatzstoffe, die natürliche Wahl für Herausforderungen in der Tierernährung.

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Welche Vorarbeiten sind für eine solche Zulassung erforderlich?

Dr. Antje Holthausen: Für den Antrag auf eine EU-Zulassung (nach EG VO 1831/2003) müssen, gemäß den wissenschaftlichen Richtlinien der Behörden, hinreichende Angaben zu dem jeweiligen Futterzusatzstoff eingereicht werden. Das Antragsdossier umfasst Informationen zur Identität des Zusatzstoffes und die Beschreibung der analytischen Nachweismethoden, den Verwendungszweck, den Herstellungsprozess und die Stabilität, die Sicherheit für die Zieltierart, den Verbraucher, den Anwender und Umwelt, sowie die Wirksamkeit des Zusatzstoffes. Die Erstellung eines Dossiers für den Antrag auf Zulassung eines zootechnischen Futtermittelzusatzstoffes dauert Jahre, um die geforderten Studien und Analysen durchzuführen. Über die Sicherheitsanforderungen hinaus, die für alle Futtermittelzusatzstoffe obligatorisch sind, wurde eine Vielzahl von Studien und Tierversuchen zu Leistungsparametern geliefert, mit verschiedenen Methoden und in verschiedenen europäischen Ländern. Im Gegensatz zu vielen anderen Produkten, die als „zootechnischer Zusatzstoff" zugelassen wurden, sind die phytogenen Futtermittelzusatzstoffe von Delacon komplexe pflanzliche Produkte, die aus pflanzlichen Inhaltsstoffen und Extrakten bestehen mit hunderten von Einzelsubstanzen. Bei der Evaluierung der Sicherheit untersuchte EFSA die genaue Zusammensetzung der einzelnen Komponenten, die Bestandteile der ätherischen Öle sowie aller Kräuter, Gewürze und anderer Pflanzen. Die Beurteilung war daher im Vergleich zu anderen Zusatzstoffen, weitaus komplizierter und zeitintensiv. Jedoch bestätigen die Ergebnisse, eine signifikante Wirksamkeit von Biostrong® 510 EC und seiner spezifischen Kombination aus hunderten von einzelnen Wirkstoffen.

 

 

 

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Welche Schritte umfasst das komplexe Zulassungsverfahren?

Dr. Antje Holthausen: Nach der Einreichung des Antragsdossiers an die EU-Kommission (EC) müssen Proben des Futtermittelzusatzstoffes an das Europäische Referenzlabor (EURL) übermittelt werden. Das EURL prüft die Eignung der eingereichten analytischen Methoden zur Rückverfolgung des Zusatzstoffes in der Futtermittelkette. Die EC erteilt der EFSA ein Mandat, festzustellen ob der Zusatzstoff den Anforderungen eines zootechnischen Futtermittelzusatzstoffes entspricht und dessen Sicherheit und Wirksamkeit unabhängig und wissenschaftlich fundiert zu bewerten. Eine Arbeitsgruppe von 21 unabhängigen Wissenschaftlern evaluiert die Sicherheit und Wirksamkeit des Zusatzstoffes laut vorgelegtem Antrag und fordert dafür weitere Informationen an, wenn nötig.


Am Ende des Evaluierungsprozesses steht ein wissenschaftliches Gutachten, welches die Entscheidung der EC über eine Zulassung unterstützt. Hierfür werden die Beurteilungen des EURL und der EFSA, aber auch zusätzliche strategische Ziele der EU, sowie die Marktpolitik berücksichtigt, insbesondere die Vorteile für die Tiergesundheit und das Tierwohl, sowie die Verbraucherinteressen. Die Zulassung gilt für einen Zeitraum von zehn Jahren, nach dem eine Verlängerung der Zulassung erneut überprüft werden muss.

 
 

Welche Ihrer Produkte sind als „zootechnische Zusatzstoffe" registriert? In welcher Futtermittelzusatzstoff-Kategorie sind Ihre anderen phytogenen Produkte registriert?

Dr. Jan Dirk van der Klis: Da das Registrierungsverfahren Jahre dauert und eine hohe Investition erfordert, haben wir eine zootechnische Registrierung für unsere Hauptprodukte beantragt: Als erster phytogener Futtermittelzusatzstoff, der dieses begehrte Qualitätszertifikat erhielt, wurde im Jahr 2012 das Delacon-Produkt Fresta® F für Ferkel als „zootechnischer Futtermittelzusatzstoff" zugelassen. Das EFSA-Gutachten von Biostrong® 510 EC für Geflügel wurde im Juli 2016 veröffentlicht und die Zulassung wurde am 09. März 2017 publiziert. Unsere anderen Produkte sind Vormischungen aus pflanzlichen Extrakten, welche als sensorische Zusatzstoffe registriert sind.

Portrait of Dr. Jan Dirk Van der Klis

© Delacon

 
 

Wie genau können mehrere Stakeholder davon profitieren und für wen ist es relevant?

Markus Dedl: Letztendlich profitieren wir alle von der wissenschaftlichen Überprüfung der Zusatzstoffe und Inhaltsstoffe, die in die Nahrungskette gelangen. Die Produktion gesunder Lebensmittel ist das übergeordnete Ziel der EU-Lebensmittelgesetzgebung. Ihr horizontaler Ansatz bezieht die gesamte Nahrungskette mit ein, also auch Futtermittelzusatzstoffe für die Tierproduktion. Ähnliche Ansätze sind auf globaler Ebene zu sehen.


Das offizielle Registrierungsverfahren mit seinen Kategorien erlaubt nicht nur die Unterscheidung zwischen verschiedenen Produkten, sondern bestätigt einmal mehr die Kraft der Natur und die synergistischen Effekte in hochentwickelten phytogenen Produkten. Für Futtermittelhersteller, Tierhalter und Landwirte kann die Wirksamkeit der wichtigste Faktor sein, während Lebensmittelsicherheit, Qualität und Tierwohl wahrscheinlich die wichtigsten Faktoren für die Verbraucher sind. Vor allem der „natürliche" Aspekt liefert einen Mehrwert für die Kunden, wenn die Öffentlichkeit nach natürlichen Lösungen sucht.

© Delacon

 
 
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